Leben mit einem Hörgerät

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Wie kann ein Hörproblem ein Hindernis im Alltag werden?

Lesedauer: 3 min
01.09.20

Brandneue Forschungsergebnisse zeigen, wie sich eine Hörminderung auf Ihr Gehirn auswirken kann – was zu Hindernissen im Alltag führen kann.

 

Viele Menschen denken, Hörprobleme seien lediglich kleine Ärgernisse wie ein verpasstes Wort oder ein paar Beschwerden darüber, der Fernseher sei zu laut.

Aber die jüngsten Forschungsergebnisse zeigen, wie entscheidend das Gehör für Ihr Gehirn ist.
Gutes Hören hilft Ihrem Gehirn dabei:

 

1. den Höraufwand gering zu halten

2. die mentale Belastung zu verringen

3. die Veränderung der Gehirnfunktion zu vermeiden

4. dem Abbau geistiger Fähigkeiten entgegen zu wirken

5. die beschleunigte Verminderung des Hirnvolumens zu vermeideni

 

Und das ist noch nicht alles: Wenn schlechtes Hören durch mangelnde oder unzureichende Behandlung das Gehirn beeinträchtigt, kann dies zu ernsthaften Problemen im Leben führen.

Auf der anderen Seite kann gutes Hören – bei gut behandeltem Hörverlust – dazu beitragen, folgende Risiken zu vermeiden:

 

1. soziale Isolation und Depressionen

2. Störung des Gleichgewichts und Verletzungen durch Stürze

3. Demenz und Alzheimer-Krankheitii

 

Das mag auf den ersten Blick entmutigend klingen, aber die gute Nachricht ist, dass wir Hörexperten uns immer weiter mit der Forschung des Hörens und des Gehirns beschäftigen.

 

Erstaunliche neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Hörens im Gehirn

 

Hören ist eigentlich denken.

Die Ohren nehmen zwar die Klänge auf, aber es ist das Gehirn, das diese richtig wahrnimmt. So ist es vielleicht weniger überraschend, dass – wenn wir es so betrachten – schlechtes Hören das Gehirn beeinträchtigt.

Wie das Hören im Gehirn funktioniert

Wenn Klänge das Ohr erreichen, werden sie in einen „neuronalen Informationscode“ umgewandelt. Dabei handelt es sich um Informationen, die das Gehirn benötigt, um richtig zu funktionieren – daher ist die Qualität dieses neuralen Informationscode entscheidend.

how-hearing-works

Das Gehirn erwartet also den Empfang des neuralen Informationscode und benötigt ihn genau so, dass er Informationen über die gesamten Geräusche um Sie herum enthält (die gesamte Klangumgebung).

Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse unserer Hörforschung sind wir nun besser in der Lage, Hörgeräte zu entwickeln, die den Bedürfnissen des Gehirns entgegen kommen – Hörgeräte, die das Gehirn mit der gesamten Klangumgebung und folglich mit einem gut nutzbaren neuronalen Code versorgen.

Daher ist es so wichtig: Hörsysteme mit Köpfchen

Diese „gehirngerechten” Hörsysteme machen es dem Gehirn nachweislich leichter und können dabei helfen, alle oben genannten möglichen negativen Folgen zu vermeiden.

 

Aber wie ist es möglich, dass ein Hörverlust so drastische Auswirkungen wie Demenz oder Störung des Gleichgewichts haben kann?

 

Das Gehör ist ein lebenswichtiger und grundlegender Sinn. So wie der Sehsinn ermöglicht uns das Hören, viele Dinge leichter zu tun.

Wenn es nicht so funktioniert, wie es sollte, macht es andere Dinge schwieriger, da Ihrem Gehirn Informationen fehlen, die es benötigt.

Dies kann einen Teufelskreis auslösen.

Erstens sind Gespräche etwas schwieriger zu folgen und können verwirrend sein. Das Gehirn muss härter arbeiten und hat dadurch weniger Kapazitäten frei für andere Dinge wie das Erinnern an das Gesagte.iii

Infolgedessen können Menschen durch soziale Kontakte müder oder gestresster werden. Sie können sozial isoliert werden und es vorziehen, zu Hause zu bleiben oder soziale Situationen vermeiden.iv

Das bedeutet, dass das Hörzentrum im Gehirn weniger stimuliert wird, was dazu führen kann, dass der Sehsinn oder andere Sinne ausgleichen müssen – so dass die Gehirnfunktion verändert wird.v

Wenn das Gehirn Klänge nicht auf natürliche Weise verarbeiten kann, kann dies sogar dazu führen, dass die natürliche altersbedingte Verminderung des Hirnvolumens beschleunigt wird.vi

Eine erhöhte mentale Belastung, die mangelnde Stimulation und die veränderte Gehirnfunktionen führen zu einem beschleunigten Abbau geistiger Fähigkeiten.vii

Das Ergebnis davon ist, dass das Risiko für Demenz bei schwerem bis hochgradigem Hörverlust um das Fünffache, bei mittlerem Hörverlust um das Dreifache und bei leichtem Hörverlust um das Zweifache erhöht ist.viii

 

Eine gute Hörgesundheit ist eine gute Gehirngesundheit

 

Das sind die möglichen Folgen einer unzureichenden Behandlung von Hörverlust.

Allerdings müssen sie überhaupt nicht eintreten. Um diese Risiken zu verringern, ist es notwendig, dass Sie Ihr Gehör gut pflegen.

Lesen Sie unsere 3 Tipps, wie Sie Ihr Gehirn gesund halten können

Wir empfehlen Ihnen, eine professionelle Hörberatung in Anspruch zu nehmen. Ein Hörakustiker kann einen Hörtest mit Ihnen machen, und falls Sie Hörsysteme brauchen, Sie zu guten, gehirngerechten Hörgeräten beraten und sie so anpassen, dass sie Ihr Gehirn unterstützen.

Finden Sie hier einen Hörakustiker in Ihrer Nähe

 

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i 1. Pichora-Fuller, M. K., Kramer, S. E., Eckert, M. A., Edwards, B., Hornsby, B. W., Humes, L. E., ... & Naylor, G. (2016). Hearing impairment and cognitive energy: The framework for understanding effortful listening (FUEL). Ear and Hearing, 37, 5S-27S. 2. (Rönnberg, J., Lunner, T., Zekveld, A., Sörqvist, P., Danielsson, H., Lyxell, B., ... & Rudner, M. (2013). The Ease of Language Understanding (ELU) model: theoretical, empirical, and clinical advances. Frontiers in systems neuroscience, 7, 31.) 3. Sharma, A., & Glick, H. (2016). Cross-modal re-organization in clinical populations with hearing loss. Brain sciences, 6(1), 4. 4. 1. Lin FR, Ferrucci L, An Y, et al. Association of hearing impairment with brain volume changes in older adults. NeuroImage. 2014;90:84-92. doi:10.1016/j.neuroimage.2013.12.059. Age-related hearing loss and cognitive decline—The potential mechanisms linking the two. Auris Nasus Larynx, 46(1), 1-9. 5. Lin FR, Ferrucci L, An Y, Goh JO, Doshi J, Metter EJ, et al. Association of hearing impairment with brain volume changes in older adults. Neuroimage 2014;90:84–92.

ii 1. Amieva, H., Ouvrard, C., Meillon, C., Rullier, L., & Dartigues, J. F. (2018). Death, depression, disability, and dementia associated with self-reported hearing problems: a 25-year study. The Journals of Gerontology: Series A, 73(10), 1383-1389. 2. Lin, F. R., & Ferrucci, L. (2012). Hearing loss and falls among older adults in the United States. Archives of internal medicine, 172(4), 369-371. 3. Lin, F. R., Metter, E. J., O’Brien, R. J., Resnick, S. M., Zonderman, A. B., & Ferrucci, L. (2011). Hearing loss and incident dementia. Archives of neurology, 68(2), 214-220. 4. 1. Livingston G, Sommerlad A, Orgeta V, et al. Dementia prevention, intervention, and care. The Lancet. 2017;390(10113):2673-2734. doi:10.1016/S0140-6736(17)31363-6

iii (Rönnberg, J., Lunner, T., Zekveld, A., Sörqvist, P., Danielsson, H., Lyxell, B., ... & Rudner, M. (2013). The Ease of Language Understanding (ELU) model: theoretical, empirical, and clinical advances. Frontiers in systems neuroscience, 7, 31.)

iv Amieva, H., Ouvrard, C., Meillon, C., Rullier, L., & Dartigues, J. F. (2018). Death, depression, disability, and dementia associated with self-reported hearing problems: a 25-year study. The Journals of Gerontology: Series A, 73(10), 1383-1389.

v Sharma, A., & Glick, H. (2016). Cross-modal re-organization in clinical populations with hearing loss. Brain sciences, 6(1), 4.

vi Lin FR, Ferrucci L, An Y, Goh JO, Doshi J, Metter EJ, et al. Association of hearing impairment with brain volume changes in older adults. Neuroimage 2014;90:84–92.

vii Uchida, Y., Sugiura, S., Nishita, Y., Saji, N., Sone, M., & Ueda, H. (2019). Age-related hearing loss and cognitive decline—The potential mechanisms linking the two. Auris Nasus Larynx, 46(1), 1-9.

viii Lin, F. R., Metter, E. J., O’Brien, R. J., Resnick, S. M., Zonderman, A. B., & Ferrucci, L. (2011). Hearing loss and incident dementia. Archives of neurology, 68(2), 214-220.