Leben mit einem Hörgerät

Ein Blog mit Tipps und Tricks für ein aktives Leben voller Lebensqualität - für Sie selbst und Ihre Lieben

Ihr Wegweiser, um auch bei einer Hörminderung gesellig zu bleiben

Lesedauer: 5 min.
23.04.18

Mit fortschreitender Hörminderung kann es für Sie schwieriger werden, allen Gesprächen zu folgen – sei es bei einem Essen mit der Familie, einer Partynacht mit Freunden oder einem Kinobesuch

Finden Sie zurück ins Gespräch

Wenn es Ihnen schwer fällt, die Unterhaltungen anderer Menschen zu hören, wird es auch schwieriger, sich an interessanten Gesprächen aktiv zu beteiligen. Denn Ihre Hörminderung hindert Sie oftmals daran, alle unterschwelligen Nuancen zu erfassen. Menschen mit normalem Hörvermögen erkennen häufig unterbewusst, wann jemand sprechen möchte, weil sie beispielsweise das Einatmen hören, mit dem man sich auf seinen Redebeitrag vorbereitet.

Um aktiv zu bleiben, müssen Sie also in der Lage sein, zurück ins Gespräch zu finden. Dazu ist es erforderlich, dass Sie gut hören.

Wenn Sie ein Hörgerät tragen, fragen Sie Ihren Hörakustiker, ob es genauer auf Sie eingestellt werden kann. Oftmals ist das problemlos möglich. Sollten Sie noch kein Hörgerät besitzen, wird Sie Ihr Hörakustiker gerne beraten und mit Ihnen besprechen, welche Möglichkeiten es gibt.

Menschenmengen sorgen für Geräuschbrei!

Möglicherweise haben Sie den Eindruck, dass direkte Unterhaltungen mit einer Einzelperson noch ganz gut funktionieren. Das ist normal, denn in diesen Situationen gibt es weniger Störgeräusche, es ist klar, wer wann spricht, und die Entfernung zum Gesprächspartner ist im Allgemeinen nicht so groß.

Aber jeder, der zu dieser Gruppe stößt, macht den Sachverhalt erheblich komplexer. Wenn Sie an eine Mahlzeit mit der ganzen Familie oder eine Dinnerparty denken, dann werden in rasantem Tempo die Themen gewechselt. Verschiedene Personen klinken sich in die Unterhaltung ein und wieder aus. Die Leute reden gleichzeitig und quer durch den Raum miteinander. Und wenn sich die Gemüter erhitzen, wird schneller gesprochen.

Menschen mit Hörminderungen haben in solchen Situationen oftmals Probleme, sich zurechtzufinden. Hier sind ein paar einfache, praktische Tipps, die Ihnen das Leben erleichtern können.

Unsere Tipps für ein gutes Essen im Familienkreis

Muss ich also einfach nur die Lautstärke erhöhen?

Ganz so einfach ist es nicht. Alles lauter und hörbar zu machen, ist nur ein Teil der Antwort – es geht vor allem darum, mit den Hintergrundgeräuschen umzugehen und das Hören zu schärfen.

Bei Hörproblemen ist es schwieriger, verschiedene Klänge und Geräusche auseinanderzuhalten. Also es wird anstrengender, sich auf das zu konzentrieren, was man hören möchte. Alle Geräusche scheinen gleichzeitig wie eine „Lärmwand“ auf einen einzustürzen. Hintergrundgeräusche und Stimmen sind komplett miteinander verwoben. Es kann sein, dass Sie zwar die Menschen sprechen hören, aber es schwer ist, einzelne Worte herauszufiltern und zu erkennen, wo ein Redebeitrag beginnt und endet.

Das liegt daran, dass man bei einer „Lärmwand“ zwar hören kann, es aber nicht so leicht ist, sich auf ein bestimmtes Signal zu konzentrieren. Sie können nicht mehr so gut erkennen, woher ein bestimmtes Geräusch kommt, und haben eher Probleme, Ihre Aufmerksamkeit schnell zu wechseln. Sie können schlechter auswählen, wem oder was Sie zuhören möchten.

Um gut hören zu können, brauchen Sie die Fähigkeit, bestimmte Umgebungsgeräusche zu ignorieren, um sich auf das zu konzentrieren, was für Sie von Bedeutung ist.

 

Sehen Sie sich das Video an – das Hörgerät, das störende Geräusche auf eine ganz neue Weise verarbeitet

 

In Cafés und Restaurants wird es noch komplexer

Wenn Sie mit jemandem sprechen und es im Hintergrund ruhig ist, ist die Unterhaltung deutlich hörbar. An lauteren Orten, wie in Restaurants oder anderen öffentlichen Bereichen, wird das, was Sie hören möchten, stärker mit anderen Geräuschen vermischt. Klappergeräusche aus der Küche, Gesprächsfetzen von Menschen an umliegenden Tischen und Hintergrundmusik werben um Ihre Aufmerksamkeit.

Es wird schwieriger, diesen Lärm auszublenden und sich auf einzelne Stimmen oder Geräusche zu konzentrieren. Aber es ist nicht unmöglich – solange Sie sich der Herausforderung bewusst sind.

Eine gute Maßnahme ist, um einen ruhigen Tisch zu bitten. Und wenn Sie Bluetooth®-Hörgeräte haben, können Sie ein externes Mikrofon verwenden, das die Stimme Ihres Gesprächpartners direkt in Ihre Ohren überträgt.

Erfahren Sie mehr über das externe Mikrofon des ConnectClips

Kinos und Vorträge mehr genießen

Für viele gehört es zu ihrem Leben, mit der Familie und Freunden ins Kino oder ins Theater zu gehen. Andere bevorzugen vielleicht Lesungen oder Vorträge. An einigen Orten kann eine Hörminderung zur Herausforderung werden. Zum Glück finden Sie an einigen öffentlichen Orten „Induktionsschleifen“. Diese Systeme senden ein akustisches Signal direkt an einen Empfänger, der bei bestimmten Hörgeräte-Modellen in das Gerät integriert ist. Die Technologie wird als „Telefonspule“ bezeichnet. 

Erfahren Sie mehr über Telefonspulen

Mit einer Hörlösung wird das Leben leichter

Bei einer Hörminderung muss sich das Gehirn mehr anstrengen, um sich aus den Stimmen, Klängen und Geräuschen bei Ereignissen wie Partys oder Hochzeiten einen Sinn zu erschließen. Die Teilnahme an Gesprächen ist ermüdend, weil man mehrere Unterhaltungen gleichzeitig bewältigen muss. Man weiß nicht, was als nächstes passiert und wer als nächstes etwas sagt. Zusätzlich stören Hintergrundgeräusche, z. B. aus der Küche.

Das Gehirn arbeitet so fantastisch, dass Sie aufgrund Ihrer Erfahrung fehlende Worte und Klänge ergänzen können, so dass Sie in der Lage sind, die Zusammenhänge eines Gesprächs zu erfassen. Aber dies bedeutet für Sie eine erheblich größere mentale Anstrengung.

Was können Sie tun?

Wir hören zwar mit den Ohren, verstehen aber mit dem Gehirn

Ihre Ohren nehmen den Schall auf. Sie erfassen jederzeit alle Geräusche, die Sie umgeben – auch, wenn Sie schlafen. Aber es ist das Gehirn, das aus dem Gehörten einen Sinn macht. Das Gehirn entscheidet, was im Fokus steht und welche Geräusche ausgeblendet werden.

Unser Gehirn hat die außergewöhnliche Fähigkeit, die Konzentration auf das für uns interessante Signal zu lenken und alles andere zu ignorieren. Diese Fähigkeit nennt sich „selektives Hören“. Hierbei handelt es sich um das System des Gehirns zur Lärmreduktion, das überaus effektiv arbeitet. Wenn das Gehör jedoch nachlässt, erhält das Gehirn weniger Informationen, auf die es dieses selektive Hören anwenden kann. Mithalten wird schwieriger.

Menschen, die eine Hörminderung haben, müssen mehr mentale Energie aufwenden, um Unterhaltungen zu führen. Vielleicht haben Sie schon einmal festgestellt, dass Sie abends besonders müde sind. Je mehr störende Geräusche vorhanden sind und je komplexer die akustische Umgebung ist, desto mehr muss sich das Gehirn anstrengen.

Erfahren Sie mehr über die Rolle des Gehirns beim Hören