Hörakustik-Blog

Die Zukunft der Hörakustik

Lesedauer: 5 min.
17.01.19

Wie sieht die Zukunft Ihrer Meinung nach wohl aus? Werden wir unser Gehör von Robotern testen lassen? Werfen wir im Rahmen der Consumer Electronics Show 2018, der weltweit größten Messe für Unterhaltungselektronik, einen Blick auf die großen Trends und Technologien, die auf unsere Branche zukommen.

In den letzten zehn Jahren hat die Welt der Hörgeräte gewaltige Veränderungen erlebt. Die einfachen Digitalgeräte der Anfangszeit haben mittlerweile eine Verarbeitungsleistung, die exponentiell gestiegen ist. Heute sind sie in der Lage, das gesamte Klangumfeld 100-mal pro Sekunde zu analysieren und Geräusche zu reduzieren, bevor sie weitergegeben werden. Neben diesen gewaltigen Fortschritten in Bezug auf die audiologischen Fähigkeiten verfügen moderne Hörgeräte außerdem über eine Verbindung zum Internet und sind "Made for iPhone", was bedeutet, dass sie mit dem iPhone verbunden werden können. Und ganz neu im Repertoire: Seit kurzem sind Hörgeräte wiederaufladbar. 

Diese rasante Entwicklung treibt uns zu einer Frage: Was wird uns als nächstes erwarten? 

Um das herauszufinden, werfen wir einen Blick auf die Trends der CES 2018, der jüngsten Auflage der weltweit größten Messe für Unterhaltungselektronik.

Die Ausstellung der Zukunft – CES 2018

Im Januar reisten die großen Technologieunternehmen dieser Welt nach Las Vegas, wo eine Woche lang Ausstellungen, Vorführungen und ein Erfahrungsaustausch stattfand. Hier zeigen die Unternehmen und Wissenschaftler, woran sie so hart gearbeitet haben und wie sie sich die Zukunft vorstellen.

Es ist eine unschätzbare Möglichkeit, den Machern der technologischen Zukunft dabei zuzusehen, wie sie diese Zukunft gestalten. Kurz gesagt: Hier kann man einen Blick auf die kommenden Trends werfen. 

Tragbare Technologie sorgt für stärkere Personalisierung

Stellen Sie sich vor, Sie könnten genau sehen, wie oft Ihr Kunde sein Hörgerät nutzt, in welchem Rahmen er dies tut und wie die Umgebung beschaffen ist! Auf der CES 2018 waren Hörgeräte nur eine der vielen ausgestellten tragbaren Technologien, die in der Lage sind, die individuelle Gesundheit der Menschen zu messen und zu überwachen.

Es gibt Armbänder, die die Herzfrequenz und den Blutdruck im Blick behalten, und sogar Technologien, die die Gehirnströme scannen und mentale Zustände wie beispielsweise Stress feststellen können. Mit diesen Technologien können Menschen im Alltag einen tiefen Einblick in ihr gesundheitliches Befinden erlangen und diese Beobachtungen dann an ihre Ärzte weitergeben.

Auch Hörakustiker wären so möglicherweise im Stande, objektive Daten zu den Vorlieben der Kunden zu erhalten, ohne die Kunden selbst befragen zu müssen. Darüber hinaus könnten Sie kundenspezifische Informationen in allen Einzelheiten dokumentieren, wann immer eine Krankenversicherung o. Ä. diese benötigt.

Ebenfalls ein Trend: Hörgerätenachanpassung aus der Ferne

Die Hörakustikbranche bietet mittlerweile immer flexiblere und bequemere Lösungen an.

E-Health-Lösungen, wie Hilfsmittel zu einer Hörgerätenachanpassung von zu Hause aus, vereinfachen dem Hörakustiker die optimal Nacheinstellung der Hörgeräte. Diese Ferneinstellungen können präzise an die individuellen Bedürfnisse des Kunden angepasst werden – ganz bequem vom Sofa des Kunden aus. Solche E-Health-Lösungen erscheinen mittlerweile realisierbarer, da Hörgerätehersteller ihre Fähigkeiten, objektive Nutzungsdaten zu sammeln, weiter verbessern.

Die Gesundheitstechnologie wird genauer und vernetzter

Jetzt, da die Gesundheitstracker immer beliebter werden, suchen die Hersteller nun nach Möglichkeiten, diese Technologien miteinander zu vernetzen. Das kann gewaltige Synergien erzeugen.

Durch die Analyse der Daten aus verschiedenen Gesundheitssensoren können in den verschiedenen Datensätzen nun Muster und Zusammenhänge gefunden werden, die sonst vielleicht nicht entdeckt worden wären. 

Hörgeräte könnten so ein wichtiges Bindeglied im ganzen System der Gesundheitstracker werden und wertvolle Einblicke gewähren. Sie sind nun also in der Lage, die Daten zur Hörgerätenutzung Ihres Kunden mit Daten zu seinem Gesundheitszustand oder seiner geografischen Position in Verbindung zu bringen. Oder aber ein Algorithmus übernimmt dies automatisch und zeigt gleichzeitig Verbesserungspotential auf.

Oder stellen Sie sich Folgendes vor: Wie wäre es, wenn sich Hörgeräte automatisch auf den mentalen Zustand des Trägers einstellen könnten, indem sie beispielsweise in ein Programm zur stärkeren Geräuschunterdrückung wechseln, wenn der Kunde müde ist?

Hörgeräte als tragbare Schnittstelle für verschiedene Sensoren

In einem Netzwerk aus immer zahlreicher werdenden Gesundheitssensoren haben Online-Hörgeräte das Potential, sehr viel mehr als nur Klanginformationen zu übermitteln, denn sie übernehmen nun auch die Funktion als Gesundheitssensor. 

Bei Menschen, die auf Betreuung angewiesen sind, wie Kindern und Senioren, könnten Hörgeräte signifikant zur Gesundheitsfürsorge beitragen.

Es wäre beispielsweise ein großer technologischer Schritt, wenn Hörgeräte als Fieberthermometer eingesetzt werden könnten, die die Temperatur im Mittelohr überwachen. Träte bei einem Kind eine Infektion auf, würde das Gerät dies feststellen und die Eltern informieren.

Oder wie wäre es, wenn Hörgeräte in der Lage wären, ihre eigene Ausrichtung im Vergleich zum Boden zu ermitteln? Sie könnten dann automatisch einen Betreuer darüber informieren, dass eine gefährdete Person gestürzt ist oder ihre Hörgeräte entfernt hat. 

Auch künstliche Intelligenz könnte hinzukommen, die automatisch die Verhaltensmuster der Menschen erlernt und ein bestimmtes Verhalten vorhersagt. Die Geräte könnten lernen, auf Anomalien zu reagieren – wie eine ungewöhnliche geografische Bewegung in Kombination mit einem ungewöhnlich niedrigen Batteriestand im Hörgerät – und auf eine potentielle Gefahr hinweisen.  

Und wie sieht es mit der etwas ferneren Zukunft aus?

Wenn wir uns ansehen, wie sich die Trends längerfristig auf unsere Hörgeräte auswirken werden, fallen vor allem zwei Faktoren ins Auge.

Der erste ist die Geschwindigkeit. Die 5G-Netze sind im Kommen, und wenn dieses extrem schnelle, bidirektionale Internetverbindungsprotokoll in unserem Alltag Fuß gefasst hat, könnten Hörgeräte in der Lage sein, sich ins Internet einzuwählen, ohne ein Smartphone als Bindeglied zu benötigen. Die Rechenkapazität würde massiv steigen, weil sie in die Cloud ausgelagert wäre. Auch die Netzwerkintegration und die Automatisierung wären besser und stärker. Können Sie sich ein Hörgerät vorstellen, das in der Lage ist, andere Sprachen in Echtzeit simultan zu übersetzen?! Die Möglichkeiten sind unerschöpflich. 

Und der andere Faktor? Energie. Da Mikrochips immer kleiner und effizienter werden, geht der Trend hin zu einem geringeren Energieverbrauch. Gute Neuigkeiten für die Lebensspannen von Batterien! Wenn der Energiebedarf sinkt, könnte es sogar möglich werden, Technologien einzusetzen, die Energie aufnehmen und umsetzen können. Hersteller könnten in der Lage sein, ihre Hörgeräte mit nichts als Körperwärme oder Bewegungsenergie zu betreiben.

Die Zukunft sieht rosig aus. Natürlich ist es immer schwer, Vorhersagen zu treffen, aber eines kann man wohl mit Sicherheit behaupten: Die Zukunft der Hörakustik wird vernetzt sein.