Leben mit einem Hörgerät

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Wie Sie einen Kollegen mit Hörverlust unterstützen können

Lesedauer: 3 min.
06.01.21

Wie Sie einen Kollegen mit Hörverlust unterstützen können

Das Leben mit Hörverlust ist eine Reise. Diese Reise umfasst viele Etappen, beginnend mit dem Bewusstsein seiner Existenz, über das Zögern, bis hin zum Wunsch, etwas dagegen zu tun. Auf dem Weg dorthin kann es viele Frustrationen geben, wenn sich die Kommunikation schwierig gestaltet (für alle Beteiligten) und soziale Isolation sowohl bei der Arbeit als auch bei Freizeitaktivitäten entsteht.

 

Diese Reise ist für jeden Einzelnen einzigartig und variiert je nach Grad des Hörverlusts, Persönlichkeit und Offenheit gegenüber Technologien. Die Reise wird erleichtert durch die wichtige Unterstützung von Verwandten, Freunden und sogar Kollegen.

Die Zusammenarbeit mit einem Kollegen, der mit einem Hörverlust lebt, kann eine Herausforderung sein. Für Sie und die Betroffenen. Es handelt sich um ein unsichtbares Handicap mit sichtbaren Lösungen. Viele Menschen finden es daher schwierig, offen darüber zu sprechen.

Warum?

Hörverlust ist oft mit einem Stigma1 verbunden, da viele Menschen den Hörverlust mit dem Älterwerden in Verbindung bringen. Allerdings erleben immer mehr Menschen einen Hörverlust vor dem Renteneintritt2, was bedeutet, dass Sie vielleicht eines Tages betroffene Kollegen unterstützen möchten.

Was ist ein Hörverlust?

Ein Hörverlust ist komplex und es gibt eine Vielzahl an Informationen zu diesem Thema. Manche Menschen können auch ohne ihre Hörgeräte hören und nutzen sie vielleicht nicht permanent, während andere völlig von ihnen abhängig sind. Einige Betroffene nutzen Hörgeräte, um ihren Tinnitus zu lindern, andere verwenden Geräte wie Cochlea-Implantate und knochenverankerte Hörsysteme.

Ein Hörsystem ist keine kurzfristige Lösung. Es gibt eine Eingewöhnungsphase für jeden neuen Hörsystemträger. Hierdurch wird die Tür zu einer lebenslangen Beziehung mit einer lebensverändernden Technologie und Versorgung geöffnet. Außerdem bedeuten Hörgeräte nicht, dass die Kommunikation kein Problem mehr darstellt. Es gibt immer noch viele herausfordernde Alltagssituationen, in denen eine verständnisvolle Unterstützung benötigt wird.

Wie sich ein Hörverlust auf Beziehungen im Arbeitsalltag auswirkt

Ein Hörverlust kann sich auf verschiedene Bereiche des täglichen Lebens von Betroffenen auswirken. Die Auswirkungen eines unbehandelten Hörverlusts können Beziehungen, das Selbstvertrauen und die allgemeine Lebensqualität beeinträchtigen.3.

Wie in jeder Beziehung ist es leichter, schwierige Gespräche zu führen, wenn Vertrauen vorhanden ist. Wenn Sie eine Person gut kennen, fühlen Sie sich vielleicht wohler, wenn Sie das Thema Hörverlust ansprechen. Besonders, wenn Sie bemerken, dass Ihr Kollege einen Hörverlust hat, bevor dieser ihn bemerkt. Wenn dies der Fall ist, könnte Ihr sanftes Zureden die Betroffenen ermutigen, sich behandeln zu lassen.

Denken Sie daran, dass sich Ihr Arbeitskollege auf einer Reise befindet, die mit der Verdrängung des Hörverlusts4 beginnt und eine Menge Verlegenheit, Frustration, Angst und Sorgen beinhaltet. Sie sorgen sich vielleicht über den Rückgang seiner Hörfähigkeit und darüber, was dies für seine Zukunft bedeuten könnte.

Je nachdem, wie gut Sie Ihren Kollegen kennen, können Sie eine persönliche Geschichte über jemanden aus Ihrem Bekanntenkreis oder Ihrer Familie erzählen, der ebenfalls mit einem Hörverlust lebt. Dadurch fühlen sich die Betroffenen weniger verletzlich und sind offen, ihre eigene Geschichte zu teilen.

Was können SIE unternehmen, um Ihre Kollegen mit Hörverlust zu unterstützen?

Seien Sie offen und bereit, einige tägliche Anpassungen an Ihren Arbeitsgewohnheiten im Team vorzunehmen. Wenn Sie eine Führungskraft sind, stellen Sie sicher, dass es Unterstützung in Form von „zusätzlichen Ohren“ für Aufgaben gibt, die das Erfassen von Stakeholder-Input beinhalten, z. B. bei Moderationen oder Präsentationen. Nehmen Sie die Betroffenen niemals ohne ihre vorherige Zustimmung aus einer Aufgabe heraus.

Schaffen Sie eine integrative Arbeitsumgebung. Das bedeutet, dass Sie vielleicht auf die Person an ihrem Schreibtisch zugehen und sie informieren müssen, wann das Team zum Mittagessen geht, Witze wiederholen und sie in den Smalltalk einbeziehen. Wenn das Gruppengespräch schnell das Thema wechselt und es viele Hintergrundgeräusche gibt, wird es für Ihren Kollegen besonders schwierig sein, dem Gespräch zu folgen. Ihr Schweigen kann ein Zeichen dafür sein, dass sie nicht alles hören, was gesagt wird.

Bewerten Sie dieses Verhalten nicht als unhöflich oder unsozial. Sie vermeiden vielleicht das Mittagessen in der (lauten) Kantine oder gesellige Zusammenkünfte, weil sie wissen, dass sie nur schwer einem Gespräch folgen können und sich dadurch ausgeschlossen fühlen. Manchmal ist ein Abend allein im Hotelzimmer reizvoller als das gesellige Abendessen auf einer Geschäftsreise.

Es ist wichtig Geduld und Empathie zu zeigen. Versuchen Sie sich in ihre Lage zu versetzten. Seien Sie neugierig auf die Fähigkeiten, die Ihre Kollegen aufgrund ihres Hörverlustes entwickelt haben. Allerdings sollten Sie es vermeiden, Ihre Kollegen zu früh mit zu vielen Fragen zu konfrontieren, wie und warum der Hörverlust zustande kam. Gehen Sie langsam mit Ihrer Neugier um, während Sie eine Beziehung zueinander aufbauen.

Fragen Sie Ihre betroffenen Kollegen, wie Sie zusammen mit dem Team unterstützen können. Nicht jeder möchte durch einen Hörverlust die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Um eine offene und unterstützende Atmosphäre zu schaffen, versuchen Sie die betroffenen Kollegen auf ihrer Hör-Reise zu begleiten.

Ermutigen Sie sie, etwas gegen ihren Hörverlust zu unternehmen, falls sie es noch nicht getan haben und deshalb unzufrieden wirken.

Erfahren Sie mehr: Was kann ein Hörgerät für Sie oder Ihre Kollegen tun?

7 gute Kommunikationsangewohnheiten, die Unterhaltungen erleichtern

Ein Hörverlust wirkt sich auf das Sehen aus und viele Menschen mit Hörverlust sind Experten im Lippenlesen. Diese Kommunikationstipps gestalten Gespräche einfacher:

  1. Sprechen Sie langsam, deutlich und seien Sie bereit, etwas zu wiederholen

  2. Beginnen und beenden Sie Gespräche den Betroffenen direkt zugewandt

  3. Sprechen Sie nicht mit Essen im Mund

  4. Sprechen Sie nicht mit der Hand vor dem Mund

  5. Drehen Sie Ihren Kollegen nicht den Rücken zu, wenn Sie sprechen / präsentieren / trainieren

  6. Nennen Sie nicht den Namen der Betroffenen, wenn sie mit dem Rücken zu ihnen stehen

  7. Flüstern oder murmeln Sie nicht

Möchten Sie verstehen, was Ihre Kollegen mit einem Hörverlust durchleben?

Erfahren Sie mehr: Wie man mit einem Hörverlust am Arbeitsplatz umgeht

 

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[1] Barker, A. B., Leighton, P., & Ferguson, M. A. (2017). Coping together with hearing loss: A qualitative meta-synthesis of the psychosocial experiences of people with hearing loss and their communication partners. International Journal of Audiology, 56(5), 297-305. doi:10.1080/14992027.2017.1286695

[2] Cunningham, L. L., & Tucci, D. L. (2017). Hearing Loss in Adults. The New England journal of medicine, 377(25), 2465–2473. https://doi.org/10.1056/NEJMra1616601

[3] Punch, J. L., Hitt, R., & Smith, S. W. (2019). Hearing loss and quality of life. Journal of Communication Disorders, 78, 33-45. doi:10.1016/j.jcomdis.2019.01.001

[4] Barker, A. B., Leighton, P., & Ferguson, M. A. (2017). Coping together with hearing loss: A qualitative meta-synthesis of the psychosocial experiences of people with hearing loss and their communication partners. International Journal of Audiology, 56(5), 297-305. doi:10.1080/14992027.2017.1286695